Bring mich irgendwohin, wo die Wunden verheilen und ich einfach verschwinde, mich konzentrier und mich selbst überwinde nach vorne zusehen.
– Raus mit der schlechten Luft, rein mit der guten
Kurzinfos
Albumtitel: Nennt es, wie ihr wollt
Artist: Mikroboy
Erscheinungsjahr: 2009
Dauer: 52:14
Genres: Indie-Pop, Elektropop
Mein Alter: 14
Kenne ich die Band/den*die Künstler*in?: Nein
Habe ich schon mal Songs der Band/der*des Künstler*in gehört?: Nein
Habe ich bereits ein ganzes Album der Band/der*des Künstler*in gehört?: Nein
Singles: Raus mit der schlechten Luft, rein mit der guten
Empfohlen von: @zuckerbastard
Tracklist
- Glück reimt sich auf Augenblick (6:46)
- Raus mit der schlechten Luft, rein mit der guten (4:08)
- Nichts ist umsonst (3:36)
- Du, nicht wir! (3:31)
- Rückschritt gleich Fortschritt (3:48)
- Pre oder Post (4:16)
- Neue Zeiten (3:29)
- Eines dieser Leben (4:19)
- Alle Menschen verlieren Sachen (3:41)
- Apollo (3:11)
- Vom Leben und Verstehen (4:08)
- This Room (3:55)
- Traumweltleben (3:19)
Songs, die mir im Gedächtnis geblieben sind
- Eines dieser Leben
- Alle Menschen verlieren Sachen
- Apollo
- This Room
Gedanken
Ich weiß, außer dass sie sich 2016 aufgelöst haben, absolut gar nichts über die Band und hab in meinem Leben noch nie von ihnen gehört, bevor mir das Album vorgeschlagen wurde.
Track by Track
„Glück reimt sich auf Augenblick“ ist für mich ein spannender Auftakt in das Album. Der längste Song auf diesem Album baut sich langsam auf. Die Lyrics geben mir Jennifer Rostock Vibes, vor allem die Sprachspielereien erinnern mich daran. Die Melodie finde ich besonders schön. Die Zeile “Die Hoffnung stirbt zuletzt, Pathos-Mode on und nothing like you nochmal als letzten Song” ist schon sehr 2009. Meine ich gar nicht despektierlich, macht mich nur ein wenig nostalgisch.
Da „Raus mit der schlechten Luft, rein mit der guten“ die einzige Single des Albums ist, erwarte ich einen Banger und ein Banger it is, kind of. Für mich hat der Song nicht 100 % richtige Durchschlagskraft, aber ich erwische mich beim Lächeln. Ich liebe Deutsch als Sprache, besonders wenn sie gekonnt angewendet wird. Ich muss beim Hören ein wenig an die frühen Sachen von Wir sind Helden und Juli denken. Den lyrischen Übergang von der ersten Strophe in den Pre-Refrain „Bring mich irgendwohin / Wo die Wunden verheilen und ich einfach verschwinde / Mich konzentrier und mich selbst überwinde nach vorne zusehen“ mag ich besonders.
„Nichts ist umsonst“ klingt irgendwie wirklich richtig nach 2009 Indie-Electro. Der Refrain ist nett. Die Zeile “Denn nur wer weiß, wohin er will und was er kann / Der kann auch schaffen, was die Welt von ihm verlangt” bleibt bei mir kleben. Die letzten grob dreißig Sekunden des Songs find ich nice.
„Du, nicht wir!“ hat mit „Stau in meinem Gehirn“ eine schöne Assoziation. Ich mag den Text ganz gern, melodisch gibt der mir allerdings nicht viel. Die instrumentale Bridge, die ins Outro übergeht, überrascht mich. An der Stelle nimmt der Song nochmal Fahrt auf. Faszinierende Wahl das so zu machen.
„Rückschritt gleich Fortschritt“ hat die starken Opening-Zeilen: “Was für ein hilfloser Moment / Wenn alles, was man sagt an Wert verliert / Worauf noch länger warten? / Wozu noch weiteratmen?”. Das Album gibt mir schon Vibes für die 20er des eignen Lebens. Alles hinterfragen, Dinge ändern sich, viele Umbrüche. Vielleicht hittet bzw. hat das in dem Alter anders gehittet, als es das jetzt für mich tut.
Das sehr melancholische „Pre oder Post“ ist melodisch spannend und textlich akzeptabel für mich. Der Song bringt die Zeilen „Was hier passiert nennt sich Stillstand / Was du verdrängst ist die Angst / Die sich meterhoch stapelt in dir“ mit, die ich sehr mag.
Auch „Neue Zeiten“ kann mich mit seinen Opening Lines begeistern: “Und im Nachhinein peinlich berührt / Wenn man das Gleichgewicht verliert”. Bei dieser Ballade erwische ich mich beim Mitwippen.
„Eines dieser Leben“ bringt die Zeilen “Wenn du morgens nicht mehr weißt / Warum du überhaupt aufstehst / Warum du überhaupt rausgehst” mit, die mir sehr gefallen. Allgemein ist der Song einer, der auf diesem Album zu meinen Favoriten gehört. Den seh ich mich auch wieder aufsuchen. Richtig schön.
„Alle Menschen verlieren Sachen“ ist ein bisschen hoffnungsvoll. Textlich hat das Album einige Höhepunkte. Der Song gehört zu meinen Highlights, was vor allem an den melancholischen Lyrics liegt, die sich um das Leben im Allgemeinen und Verlust im Spezifischen drehen.
Für „Apollo“ habe ich mir notiert „Oh schön. Schööööön.“ Insbesondere die Zeilen “Den Kontakt zu sich selber gekappt / Viel gequatscht und wenig nachgedacht / Die Sozialkompetenz lang verloren / Doch man gibt nicht auf hat man geschworen” bleiben bei mir. Irgendwie hab ich auf der Tracklist immer nach dem Songtitel geschielt. Schön, dass der mir gefällt. Der hat melodisch was. Das Ende des Songs ist sehr explosiv.
„Vom Leben und Verstehen“ tröpfelt so vor sich hin für mich. Am Ende nimmt er allerdings an Fahrt auf. Er bleibt jedoch nicht nachhaltig bei mir.
Der Switch von Deutsch zu Englisch in „This Room“ kommt unerwartet. Er lockert das Album an dieser Stelle etwas auf. Bisher ist das melodisch für mich auch der spannendste Song mit seinen elektronischen Elemente. Er wirkt zeitlos auf mich.
„Traumweltleben“ ist der Albumcloser und eine schöne Wortkonstruktion. Er bringt noch ein paar Uptempo Vibes mit, was mir durchaus zusagt.
Fazit
„Nennt es, wie ihr wollt“ war für mich ein solides Hörerlebnis. Nicht überragend, aber auch nicht schlecht. Textlich finde ich das Album stärker als melodisch.
Das Album hat mich an einigen Stellen sehr an frühere Deutschpopbands aus den 2000ern erinnert. Beim Erscheinungsjahr ist das aber auch nicht weiter verwunderlich.
Falls man nostalgisch in Erinnerungen an das Jahr 2009 schwelgen möchte, ist das Album eine gute Wahl. Insbesondere meine Song-Highlights werde ich mit Sicherheit wieder aufsuchen.




